23. Oktober 2015

Aven­tu­ra – Euro­pas längs­tes Spiel­platz­ge­rät

Es beginnt wacke­lig am Fuß des Brom­bergs. Ein gro­ßes Ein­stiegs­netz führt in einen baum­haus­ar­ti­gen Turm. Und das ist nur der Anfang, der Anfang von Euro­pas längs­ter Klet­ter­an­la­ge. Auf 168 Meter Län­ge schlän­geln sich ver­schie­dens­te Tun­nel und Brü­cken, Balan­cier­ele­men­te und Gum­mi­mat­ten durch diver­se Tür­me den Berg hin­auf.

Die Pla­nung

In Mede­bach, eine Klein­stadt im Hoch­sauer­land, einen Feri­en­ort, der Wan­de­rer im Som­mer und Ski­fah­rer im Win­ter anlockt, eröff­ne­te nach einer Bau­pha­se in Rekord­zeit Ende Sep­tem­ber 2015 offi­zi­ell „Aven­tu­ra – der Spiel­Berg“. Für den Spiel­be­trieb wur­de die Anla­ge bereits einen Monat zuvor durch den TÜV frei­ge­ge­ben. Der neue „Spiel­platz“ befin­det sich auf einem Grund­stück der Stadt Mede­bach, am Gelän­de des ansäs­si­gen Cen­ter Parks, einem Fami­li­en­fe­ri­en­dorf inmit­ten der Natur. Er ist für alle Gäs­te, Besu­cher der Regi­on und deren Anwoh­ner kos­ten­los und frei zugäng­lich. Die Pla­nung für den Bau einer gro­ßen Frei­zeit­an­la­ge und dem Anspruch auf Ein­zig­ar­tig­keit in Deutsch­land reicht eini­ge Jah­re zurück. Der Sturm Kyrill hat­te 2007 schwe­re Schä­den im Gebiet hin­ter­las­sen. Die ursprüng­li­che Idee stammt aus der Feder des Land­schafts­ar­chi­tek­ten und Bio­lo­gen von Cen­ter Parcs, Jean Hen­kens. Die Inspi­ra­ti­on liegt in der Geschich­te des Brom­bergs – „da wo der Wind schläft“. Und so wur­de Luft, Zei­chen der vier Ele­men­te, zum The­ma der rie­si­gen Klet­ter­an­la­ge.

Wei­ter­ent­wi­ckelt und Rea­li­siert wur­de das Pro­jekt durch das Land­schafts­ar­chi­tek­tur­bü­ro Gasse|Schumacher|Schramm aus Pader­born in Zusam­men­ar­beit mit der Ber­li­ner Seil­fa­brik.

Die Umset­zung

„Die Grö­ßen­ord­nung ist etwas Beson­de­res. Die Anla­ge erfor­der­te vor allem im Pro­jekt­ma­nage­ment größ­te Auf­merk­sam­keit und hat im Bereich der Pla­nung, Ent­wick­lung sowie der arbeits­vor­be­rei­te­ten Pro­zes­se und pro­duk­ti­ven Umset­zung beträcht­li­che Kapa­zi­tä­ten gebun­den. Die Her­aus­for­de­rung lag dar­in, die­sen Groß­auf­trag zu rea­li­sie­ren und dabei ande­re Auf­trä­ge und somit Kun­den nicht zu ver­nach­läs­si­gen.“, erklärt Mari­us Kot­te, Archi­tekt und Lei­ter der Abtei­lung Kon­struk­ti­on und Ent­wick­lung der Ber­li­ner Seil­fa­brik. Das Pro­jekt wur­de in neun Seg­men­te auf­ge­teilt und jedes Seg­ment im Fer­ti­gungs­pro­zess wie ein ein­zel­ner Auf­trag behan­delt. So wur­de sicher­ge­stellt, ter­min­ge­recht und struk­tu­riert zu fer­ti­gen. Pro­dukt­neu­hei­ten
Beson­ders erfolg­reich wur­de die Her­aus­for­de­rung, Neu­pro­dukt­ent­wick­lung und fina­le Umset­zung wäh­rend eines Bau­vor­ha­bens, rea­li­siert. Eini­ge Tür­me, Ver­bin­dun­gen zwi­schen den Seg­men­ten und Ver­bin­dungs­ele­men­te z. B. zwi­schen Rohr und Schel­le wer­den hier am Spiel­Berg erst­mals prä­sen­tiert. Der höchs­te Turm ist bei­spiels­wei­se 7,8 Meter hoch. Die freie Fall­hö­he über­schrei­tet dabei nie das zuläs­si­ge Maß von 3 Metern.

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Im Innern füh­ren Net­ze den Besu­cher zu einer lan­gen Spi­ral­tun­nel­rut­sche. Ein wei­te­rer fällt durch sei­ne beson­de­re Form auf. Hier kann man auf einem Aus­sichts­netz lie­gend die wun­der­schö­ne Land­schaft von oben bestau­nen. Die­se Tür­me sind mit Bam­bus­pa­nee­len ver­klei­det. Die Ber­li­ner ver­wen­den Bam­bus, weil es lang­le­bi­ger als Holz ist und zudem eine bes­se­re Öko­bi­lanz auf­weist. Es ist ein Gras, wel­ches nach­wächst, wenn es geern­tet wird, im Gegen­satz zu Holz.
In zwei Tür­men hän­gen gro­ße Kugeln wie Kokons zwi­schen den Pfos­ten. Tel­ler­för­mi­ge Net­ze erlau­ben den Zugang. Die­se Ele­men­te soll­ten mög­lichst trans­pa­rent blei­ben und trotz­dem sicher sein. Dafür wur­den sie mit eng­ma­schi­gen Sicher­heits­net­zen umschlos­sen. Die­se wer­den auch an einer Stel­le genutzt, wo eine klei­ne Schlucht über­wun­den wer­den muss und die klas­si­sche Hän­ge­brü­cke über eine Fel­sen­wand führt.

Es gibt 22 Ver­bin­dungs­ele­men­te. Für die­se wur­den in etwa 2000 Meter leuch­tend rotes Seil ver­baut Neben den belieb­ten Netz­tun­neln und klas­si­schen Hän­ge­brü­cken fin­den sich auch neue Über­gän­ge, wie die Lia­nen­brü­cke, bei der ein schma­ler Netz­steg an lan­gen Sei­len auf­ge­han­gen ist oder ein Tun­nel, der mit Gum­mi­mem­bran umschlos­sen wird. Beson­ders her­aus­for­dernd ist auch eine Han­gel-Balan­cier-Kom­bi­na­ti­on, bei der es von Vor­teil ist, wenn man noch nicht all zu groß gewach­sen ist. Beson­ders beliebt ist auch die soge­nann­te Schach­brett­brü­cke. Qua­dra­ti­sche Gum­mi­mem­bra­nen sind zwi­schen Hal­te­sei­le gespannt. Die Kin­der hüp­fen, wip­pen und rela­xen hier.
Verbindungselemente

Fun­da­men­te und Fall­schutz

Nahe­zu 36 Ton­nen Stahl wur­den auf die Bau­stel­le gelie­fert. Von den fast 100 Pfos­ten wog der Schwers­te mit 10,40 m allein 450 kg. Bei Pro­be­boh­run­gen im Vor­feld im Nov. 2014 ist man im obe­ren Berei­ches des Bergs auf fes­ten Fels nahe der Ober­flä­che gesto­ßen. Beim Aus­he­ben der Fun­da­men­te im Juni 2015, stell­te es sich als wei­cher Schie­fer her­aus. Die  Fun­da­men­tie­rung der Pfos­ten muss­te im Fer­ti­gungs­pro­zess daher neu geplant wer­den.
Auf den Flä­chen mit Tür­men und Podes­ten wur­den Pla­teaus geschaf­fen, so dass das Fall­schutz­ma­te­ri­al bei Regen auf­grund des gro­ßen Gefäl­les nicht weg­spült wird. Als Fall­schutz hat man sich für Hack­schnit­zel und bei den dafür zuläs­si­gen Flä­chen, für Roll­ra­sen ent­schie­den. Sie pas­sen sich farb­lich an die Natur an und gewähr­leis­ten höchs­ten Sicher­heits­stan­dard. Im Lau­fe der Zeit wer­den sich die Rasen­flä­chen in eine Blu­men­wie­se ver­wan­deln ohne dabei die Fall­schut­z­ei­gen­schaf­ten zu ver­lie­ren.
Die Stei­gung des Hangs beträgt cir­ca 21 Pro­zent und vari­iert an eini­gen Stel­len stark bis zu 46 %. Die tech­ni­schen Lösun­gen der Ber­li­ner erlau­ben klei­ne­re Anpas­sun­gen vor Ort. Die soge­nann­ten T-Schel­len, die mit ver­schie­de­nen Anschlüs­sen Sei­le, Ket­ten und Roh­re mit den Pfos­ten ver­bin­den, sind in der Höhe ver­stell­bar. So kön­nen even­tu­el­le Abwei­chun­gen zur Pla­nung, die durch die Land­schaft auf der Bau­stel­le selbst, auf­kom­men kön­nen, aus­ge­gli­chen wer­den.
Für die Klei­nen und die Gro­ßen
Der Auf­stieg ist nicht ein­fach und wer sich viel­leicht noch nicht durch die Tür­me und über die Brü­cken wagt, kann sich unten im extra für die klei­nen Kin­der ange­leg­ten Bereich aus­to­ben. Zwei gro­ße Nest­schau­keln und ein klei­nes Baum­haus „Trii“ mit Rut­sche laden hier ein. Für alle Begleit­per­so­nen führt ein befes­tig­ter Weg par­al­lel zur Klet­ter­an­la­ge ent­lang.

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