4. Dezember 2018

Beweg­te Pau­se in Sin­ga­pur

“Cele­bra­te your Roots – dis­co­ver your Wings”, so lau­tet das Leit­bild der Ger­man European School in Sin­ga­pur (GESS) und meint damit ein Schul­pro­fil, in des­sen Zen­trum die Ver­mitt­lung der euro­päi­schen Wer­te Respekt, Offen­heit und Gemein­schafts­sinn steht. Dabei rich­tet sich die Pri­vat­schu­le in der asia­ti­schen Metro­po­le an Schü­ler bzw. Vor­schü­ler aller Alters­stu­fen zwi­schen 18 Mona­ten und 18 Jah­ren und hat den Anspruch, jeden Schü­ler in der Schul­ge­mein­schaft ken­nen­zu­ler­nen, sei­ne per­sön­li­chen Stär­ken und Inter­es­sen zu ent­de­cken und die­se im Rah­men eines ganz­heit­li­chen Ansat­zes zu för­dern und zu for­dern. Dabei setzt die Schu­le nicht nur auf Qua­li­tät wäh­rend, son­dern auch außer­halb des Unter­richts. So sieht das Schul­kon­zept vor, dass die Pau­sen das vor allem kogni­ti­ve Ler­nen im Unter­richt durch Bewe­gung ergän­zen und unter­stüt­zen sol­len. Auch der sozia­le Umgang mit­ein­an­der soll in den Pau­sen geför­dert wer­den.

Folgerichtig ist im Zuge der Neugestaltung des Schulcampus in Singapur ein breites Bewegungs-, Entspannungs- und Spieleangebot entstanden. Neben verschiedenen Sportbereichen, die u.a. einen Fußballplatz sowie ein olympisches Schwimmbecken miteinbeziehen, stechen besonders die ebenfalls neugestalteten Spielbereiche in den Innenhöfen des Schulkomplexes hervor. Der Schulhof teilt sich in insgesamt in vier Bereiche und richtet sich an alle Altersklassen.

Im ersten Hof befinden sich zwei verschiedene Kombinationen aus Spiel- und Seilspielhäusern der Berliner Greenville Reihe, die jeweils durch unterschiedliche Brückenelemente miteinander verbunden sind. Die Basis der Seilspielhäuser sind dreidimensionale Netze aus Seilen, welche im Innern der so genannten „DoubleBoos“ aufgespannt sind. Da Raumnetze genug Platz für viele Kinder gleichzeitig bieten, eignen sie sich perfekt für Schulhöfe. Nebenbei fördert das gemeinsame Spielen im Raumnetz das Sozialverhalten der Schüler, indem es zwangsläufig zu Interaktionen kommt. Das Klettern im dreidimensionalen Raum schult zudem in besonderem Maße die psychomotorischen Fähigkeiten und das dreidimensionale Vorstellungsvermögen der Schüler, welches sich u.a. positiv auf den Mathematikunterricht auswirkt. So werden auf neuronaler Ebene die gleichen Verschaltungsmuster im Hirn angeregt, welche auch für dreidimensionales Rechnen benötigt werden.

Der Spielplatz des ersten Hofes geht nahtlos in einen überdachten, zweiten Spielbereich über. Hier können die Schüler auf einem Niedrigseilgarten klettern, der aus fünf verschiedenen Kletterelementen besteht, die jeweils unterschiedliche Schwierigkeitsgrade aufweisen und damit für mehrere Alterklassen attraktiv sind.

Durch die komplett offene Gestaltung der Seilspielgeräte sind diese maximal transparent. So haben Lehrer aus jeder Perspektive die Möglichkeit ihre Schüler im Blick zu haben, auch wenn sich viele Kinder gleichzeitig auf dem Klettergerät befinden.

Diese besonders für Schulhöfe positive Eigenschaft besitzt auch die wellenförmige Spielskulptur „Shout“, die sich im dritten Spielbereich der Schule befindet. In einem Rahmen aus gebogenen Stahlrohren erstreckt sich ein Flächennetz mit unterschiedlichen Maschenweiten. Neben einem Netztunnel, der den Kletterring rundum bekletterbar macht verfügt die Spielskulptur über zahlreiche Anbauelemente wie Kletterteller, Banister und Gummimatten.

Insgesamt haben auf dem „Shout“ mehr als 200 Kinder gleichzeitig Platz, um sich in den Schulpausen ausgiebig zu bewegen. Die unterschiedlichen Anbauelemente sowie die Höhenunterschiede innerhalb der Struktur machen den Shout ebenfalls für alle Altersklassen attraktiv. Zudem bietet die Abstrakt gehaltene Struktur viel Platz für Fantasie. Die Schüler können immer wieder neue Eingänge nutzen um das Spielgerät zu erklimmen, erspielen und zu erfahren. Das bietet jede Menge Möglichkeiten die eigenen Spielideen zu verwirklichen und unterstützt somit den Gedanken der Schule, die individuellen Interessen eines jeden einzelnes zu fördern.

Das zweite große Spielgerät in diesem Bereich ist eine Kombination aus drei unterschiedlich hohen „Grenville“ Trii-Häusern, die durch Netztunnel miteinander verbunden sind. Hier oben finden die Schüler Raum für Rückzug und können sich nach einer herausfordernden Kletterpartie ausruhen, um anschließend wieder fit für den Unterricht zu sein.

Abgerundet wird dieser Spielbereich durch zwei Nestschaukeln und einem drehenden Spielpunkt. Beide Geräte bieten Spielfunktionen, die sich positiv auf die Entwicklung der Kinder auswirkt. Während schaukeln in besonderem Maße das vestibuläre System, also die Fähigkeit Körperbewegungen, Augenbewegungen und Gleichgewicht zu koordinieren fördert, verstärkt Drehen das kinästhetische Bewusstsein, indem das Kind lernt, zu vermeiden runterzufallen oder mit anderen Spielkameraden zu kollidieren.

Im vierten Spielbereich der GESS wurde eine Kombination zweier Spielhäuser der Produktlinie „Spooky Rookies“ installiert, die speziell auf die Bedürfnisse von Kleinkindern zugeschnitten ist. Die beiden verschiedenen Zugangsmöglichkeiten einer flachen Rampe sowie einer kleinen Treppe ermöglichen einen altersgerechten Einstieg und bieten gleichzeitig eine spannende Herausforderung für die Kleinen. Darüber hinaus schult der Gang über die engmaschige Netzbrücke oder eine Rutschpartie in der Kleinkindrutsche das Gleichgewicht und fördert so den nächsten Entwicklungsschritt. Mit dem Tresen im unteren Bereich des größeren Häuschens bieten die Spielhäuser den idealen Raum für Rollenspiele. Auf spielerische Weise werden so Sprache und soziale Kompetenzen wie Empathie aufgebaut.

Neben dem hohen Spiel- und Bewegungswert fällt besonders die klare, organische und natürliche Designsprache auf, die sich durch alle Spielbereiche zieht. Durch die natürlich anmutende Farbwahl sowie der Verwendung von Bambuspaneelen im Bereich der Fassadenelemente, ist es gelungen, die grüne Umgebung des „Bukit Timah Nature Reserve“, welcher sich direkt vor den Schultoren der GESS befindet, aufzugreifen. „Intention war es, diese stimulierende Umgebung durch das natürliche Design in den Schulhof zu übertragen“, sagt Marius Kotte vom Berliner Creative Center.

Mit der Neugestaltung des Außenbereiches der GESS ist es auf eindrucksvolle Weise gelungen Spiel- und Bewegungsraum zu schaffen, der nicht nur altersklassenübergreifend attraktiv ist, sondern die Schüler gleichzeitig auf neuronaler, sozialer und psychomotorischer Ebene fördert.